Baumfällungen? Instrumentenlandesystem?

In der OVZ/LVZ gab es vor kurzem Veröffentlichungen, welche leider völlig falsche Informationen enthielten. Der Aufhänger war wiederholt die notwendige Kürzung von Bäumen. In diesem Zusammenhang wurde behauptet, dass all diese Probleme nicht bestehen würden, wenn man das Instrumentenlandesystem (ILS) am Flugplatz abschalten würde, da dieses sowieso nicht gebraucht würde. Auf diese Punkte wollen wir hier eingehen und die zum Teil falschen Informationen erklären und richtig stellen.

Zum Instrumentenlandesystem (ILS) hieß es im Artikel der OVZ am 09.03.2019:

Behauptung: „Es ist weder für die derzeit einzig stattfindende Hobbyfliegerei noch für Landungen von Maschinen für Organtransporte erforderlich.“

1. Am Flugplatz Altenburg findet NICHT nur Hobbyfliegerei statt. Der überwiegende Teil aller Flugbewegungen sind gewerbliche Flüge (Businessverkehr, gewerbliche Flugschulen), Werksverkehr (Flüge von Firmen für deren eigene Zwecke) und weitere nichtgewerbliche Flüge (z.B. Rettungshubschrauber, Organtransporte, Patientenverlegung, Polizei, Militär, etc.).

2. Am Flugplatz gibt es mehrere Firmen, die gewerblich fliegen. Unter anderem einen großen Flugmotorenhersteller und eine Firma welche Flüge für Vermessungen und Luftbilddarstellungen durchführt.

3. Am Flugplatz gibt es eine Flugzeug-Werft. Zu den Kunden dort gehören natürlich auch viele „Hobbyflieger“, diese sind für den gewerblich arbeitenden Betrieb jedoch wichtige Kunden. Diese Fliegerei ist also nur bedingt als reine Hobbyfliegerei zu betrachten.

4. Das vermehrt Organtransportflüge und Patientenrückholflüge in Nobitz landen ist ausschließlich auf die Möglichkeit des Instrumentenfluges zurück zuführen.

Diese Flüge sind zwingend darauf angewiesen, dass sie sowohl wetterunabhängig als auch bei Dunkelheit sicher starten und landen können. Patienten und Organe dieser Flüge sind immer zeitkritisch und kommen aus der gesamten Region Ostthüringen, Westsachsen, Erzgebirge. Und das obwohl es sowohl in Chemnitz als auch in Gera Flugplätze gibt, deren Landebahnen für die hier eingesetzten Flugzeuge oft ausreichend wären. Diese verfügen jedoch nicht über die Möglichkeit des Instrumentenfluges.

5. Statistik 2018:

Summe aller Flugbewegungen:9275
Summe gewerbliche Flüge:4195
+ Summe Werksverkehr-Flüge:783
+ Militär- und Staats-Luftfahrzeuge:13
= gesamt „Nicht-Hobby-Flieger“:4991
Summe* nichtgewerbliche Flüge („Hobby-Flieger“):4284


* In dieser Summe sind alle Ultraleichtflugzeuge (UL) enthalten. Zu beachten ist jedoch das aufgrund eines ansässigen Unternehmen ca. 700 Flugbewegungen mit UL gewerblich erbrachten wurden, also eigentlich zu den gewerblichen Bewegungen gezählt werden müssen. Eine Ausweisung gewerblicher UL-Flüge ist statistisch jedoch nicht vorgesehen.
* Organtransport- und Patientenrückholflüge sowie Flüge von Rettungshubschraubern fallen ebenfalls unter nicht-gewerbliche Flüge. Auch diese sind in den Zahlen der „Hobby-Flieger“ enthalten und werden statistisch nicht gesondert erfasst.
* Flüge zur Überführung von Flugzeugen in die ansässige Werft oder zum ansässigen Triebwerkshersteller fallen ebenfalls meist unter die Kategorie nichtgewerbliche Flüge. Diese machen einen großen Teil der Flugbewegungen aus, sind für die gewerblich tätigen Unternehmen am Flugplatz essenziell und können somit nicht zur reinen „Hobby-Fliegerei“ gezählt werden.


Es ist also ersichtlich, dass deutlich weniger als die Hälfte aller Flugbewegungen reine „Hobby-Fliegerei“ sind.

In den ersten zwei Monaten des Jahres 2019 gab es eine Steigerung der Bewegungszahlen um 104%. Insgesamt gab es in den beiden Monaten 1221 Flugbewegungen. Dies ist im Winterhalbjahr nicht mit Hobby-Fliegern zu begründen.

Behauptung: „Zuletzt wurde es (das ILS) für den Anflug der Jets der Konzern-Führung von VW benötigt, die aber nicht mehr in Nobitz landen.“

Wie es zu dieser falschen Aussage kommt wissen wir nicht. Richtig ist, dass die Flüge von VW ohne Unterbrechung nach wie vor stattfinden. Vielmehr ist in den vergangenen 12 Monaten sogar eine stetige Zunahme des VW-Werksverkehrs festzustellen. Mittlerweile mit Flugzeugtypen unterschiedlicher Größenordnung, jedoch immer im Instrumentenflug und auf diesen auch angewiesen, um die geschäftlichen Termine wahrnehmen zu können und vom Wetter unabhängig zu sein.

Die Zahl der Bewegungen im Werksverkehr ist im Jahr 2018 auf 783 gestiegen und lag im Vorjahr bei 752. In diesen Zahlen sind die Flüge von VW enthalten.

Behauptung: „Das Instrumentenlandesystem (ILS) ist das einzige Präzisionsanflugverfahren, das vollautomatische Landungen ohne jegliche Sicht ermöglicht – so auch in Nobitz.“

Falsch. In Nobitz ist ein Instrumentenlandesystem der Kategorie I installiert. Dieses ermöglicht Landungen auch bei schlechten Wetterbedingungen. Vollautomatische Landungen sind hiermit jedoch nicht möglich. Für Vollautomatische Landungen muss mindesten ein ILS der Kategorie IIIb installiert sein. Hierfür wären aber noch viel stärkere Restriktionen bei der Hindernisfreiheit notwendig. Dies halten auch wir für überzogen und den Anwohnern der Umgebung nicht zumutbar. Ein Ausbau des Instrumentenlandesystems bis zur Möglichkeit vollautomatischer Landungen ist weder sinnvoll noch vorgesehen. Solch aufwendige Systeme machen an großen Verkehrsflughäfen Sinn.

Behauptung: „Das ILS wird auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz im Moment nicht benötigt und könnte abgeschaltet werden, ohne das etwas passiert.“

Das dieses System benötigt wird haben wir nun schon dargelegt. Hierzu sei noch angemerkt, dass das ILS nur eine Möglichkeit für Instrumentenfluglandungen darstellt. Zwei weitere Verfahren finden am Flugplatz Anwendung. Diese gelten als Nicht-Präzisionsverfahren und können nicht bei allen Anflügen verwendet werden. Hindernisfreiheitsbereiche müssen aber auch mit diesen Verfahren eingehalten werden. Nicht nur bei Landungen sind die Hindernisfreiheitsbereiche  wichtig. Auch für die Abflüge nach Instrumentenflugregeln gelten diese.

 

Ein gesetzlich festgelegter Hindernisfreibereich um Flugplätze herum gilt im übrigen auch für alle Flüge nach Sicht, also gänzlich ohne ILS oder andere Verfahren. Die Hindernisfreiheit muss also in allen Fällen gegeben sein. Dies dient ausschließlich der Sicherheit der Flugzeuge und damit direkt auch der Anwohner, denn wer will schon ein abgestürztes Flugzeug auf seinem Grundstück liegen haben?


Zusammenfassung:
Der Flugplatz Altenburg-Nobitz hat überwiegend Bewegungen durch gewerbliche Flüge, Werksverkehre, Organ- und Patiententransportflüge, Schulflüge sowie Flüge der ortsansässigen Flugzeugwerft und des hier beheimateten Flugmotorenherstellers. Fast alle diese Flüge benötigen die Möglichkeit wetterunabhängig, nach Instrumentenflugverfahren, starten und landen zu können. Selbst im Bereich der Privatfliegerei werden diese Verfahren oft genutzt.

Der Flugplatz hat mit seiner Ausbaustufe ein Alleinstellungsmerkmal im weiten Umkreis und ist für die Erreichbarkeit der Region mit gewerbsmäßigen und Werkverkehrsflügen sowie für die medizinische Versorgung von strategischer Bedeutung. Mit der Abschaltung der Instrumentenflugverfahren müssten diese Flüge auf die Verkehrsflughäfen nach Dresden, Leipzig und Erfurt ausweichen. Dies wäre ein großer wirtschaftlicher und struktureller Nachteil für unsere Region und würde die Zahlen der Flugbewegungen einbrechen lassen. Es würde die Existenz des Flughafens in Frage stellen und Arbeitsplätze auf dem Flugplatz und bei den hier ansässigen Luftfahrt-affinen Betrieben gefährden.

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